DIE IDEE


An einem lauen Spätsommerabend im August 2015 trafen sich drei befreundete Kommilitonen in einer geselligen Runde zu Speis' und Trank. Wirtschaftsinformatiker Jonas hatte eingeladen, um seine am Vortag fertiggestellte Master-Thesis zusammen mit den beiden Holzingenieur-Studenten Georg und Artur zu feiern. Im Laufe des Abends wurden in den Gesprächen wieder einmal alle denkbaren Themen erörtert, während gekühlte Drinks die Kehlen feucht hielten.

 

Zu fortgeschrittener Stunde bemerkte Jonas, warum eine gute Spirituose vor ihrem Genuss eigentlich teilweise jahrzehntelang reifen müsse. Den Holzingenieuren fiel die Antwort leicht. Und an dieser Stelle lassen wir unseren Dialog noch einmal aufblühen...

Georg: "Das liegt am Holzfass. Holz ist nicht einfach nur Holz. Neben der Wahl der Holzsorte ist insbesondere die Dauer, in der die Spirituose im Fass verbleibt, entscheidend."

 

Artur: "Und die Beschaffenheit des Holzes sowie seine Umgebungstemperatur spielen eine Rolle."

 

Jonas: "Aber was passiert denn in dieser ganzen Zeit mit der Spirituose?"

 

Artur: "Der enthaltene Alkohol löst die verschiedenen Aromen wie z. B. Tannin aus dem Holz, wodurch sie durch das Getränk aufgenommen werden. Je frischer das Holz ist, um so intensiver sind Geschmacksstoffe enthalten."

 

Georg: "Und das Holz baut auch unerwünschte, z. B. scharfe oder bittere Geschmacksnoten ab."

 

Jonas: "Also könnte ich mir selbst ein kleines Holzfass für Zuhause anschaffen und meine Spirituosen selbst reifen lassen?"

 

Georg: "Jein. Zunächst spielt das Verhältnis von Holz zur Spirituose eine Rolle. Bei einem kleinen Fass ist die Kontaktfläche des Holzes deutlich größer. Deine Spirituose würde nicht nur schneller reifen, die Holzaromen könnten den Geschmack auch überdecken."

 

Artur: "Ein weiterer Nachteil ist, dass die Spirituose in einem kleinen Fass mit der Zeit vermutlich größtenteils verdunsten würde. Bei großen Fässern fällt dieser sogenannte 'Angels Share' nicht so sehr ins Gewicht."

 

Jonas: "Ich merke schon, der Aufwand der dahinter steckt, erklärt auch den hohen Verkaufspreis. Allein die Lagerkosten..."

 

Georg: "Ja der Aufwand dahinter ist immens, das macht auch den Unterschied zu günstigeren Spirituosen aus. Man könnte aber diese günstigeren, bereits abgefüllten Spirituosen nachträglich 'reifen lassen'. Man bräuchte im Prinzip nur die richtige Menge der richtigen Holzsorte und gibt dieses für die richtige Zeit lang in die Flasche."

 

Jonas: "Also den Prozess einfach umkehren?"

 

Artur: "Der Prozess bleibt der Gleiche, das Holz verleiht dem Getränk zusätzliche Aromen, filtert nach und innerhalb der Flasche würde die Spirituose auch nicht mehr verdunsten. Das probieren wir mal aus!"

Und so wurde in den nächsten Monaten unzählige Male getestet, probiert, optimiert und wieder getestet, bis sich schließlich ein idealer Holzanteil mit genau der richtigen Kontaktfläche (durch kleine Einschnitte) für eine Spirituose mit 700 ml Inhalt gefunden hat. Dabei stellte sich heraus, dass sich bestimmte Holzsorten besonders eigneten und auch das Holz eine gewisse Beschaffenheit mitbringen musste. Der nachträgliche Reife-Prozess benötigte schließlich ca. 24 Stunden, bis das Getränk die zusätzlichen Fassreife-Nuancen aufgenommen hatte.

 

Die Kommilitonen waren sich einig, ihre Entdeckung mit der restlichen Genuss-Welt zu teilen. Sie erhielten aus allen Richtungen ihres Umfelds Zuspruch und beschlossen, mit ihren handgesägten Hölzchen in einen vermeintlich gesättigten Markt einzutreten. AGING & FLAVOR war geboren...